Netzwerk „Lebendiger Weinberg"

Landschaften gestalten

Bereits die Römer brachten mit der Kenntnis der Kultivierung von Weinreben auch eine Vielzahl mediterraner Pflanzen über die Alpen. Mancherorts bereichern diese noch heute historische Weinberglagen. Infolgedessen eroberten viele Wärme liebende Tierarten wie die Mauereidechse oder der Schwalbenschwanz unsere Rebhänge.

Weinberge wurden zunächst von Klöstern und Grafschaften, später von den Wengerter- und Winzerfamilien angelegt – immer an den Orten mit mildem Klima und vielen Sonnenstunden, die Natur und Mensch verwöhnen.

Bestimmte Kleinlebensräume, die Wärme liebenden Tieren und Pflanzen  im Weinberg ein Zuhause schenken, wurden in vergangenen Jahrzehnten zurückgedrängt. Oft geschah dies aus mangelnder Erkenntnis Bedeutung für den Naturhaushalt. Man kann das Rad der Geschichte zwar nicht zurückdrehen, wohl aber verantwortungsvoll nach vorne bewegen: Es müssen heute wieder neue ökologische Nischen geschaffen werden.

Es gibt viele Ansatzpunkte, wie man einer vielgestaltigen Pflanzen- und Tierwelt wieder mehr Platz einräumt, die Weinberglandschaft lebendiger gestaltet und damit auch das Landschaftsbild aufwertet – und das ohne die Bewirtschaftung zu erschweren. Das wirkt sich auf die Naturbewahrung ebenso aus wie auch auf die Vermarktung der hochwertigen Produkte aus den Weinbergen, den Tourismus und die Umwelt- und Lebensqualität unserer Heimat insgesamt.

Maßnahmen

Bereits ein kleiner Haufen von Lesesteinen in einer sogenannten Spitzzeile oder im Bereich einer Wegkurve bietet einer Vielzahl von Tieren einen Lebensraum. Im Weinberg gibt es viele Möglichkeiten, Lebensräume zu gestalten und zu optimieren – ohne die Produktion dabei zu beinträchtigen. Mögliche Ansätze sind Randzonen der Weinberge, Wegränder, Böschungen, Bereiche entlang der (Wasser-)Staffeln, an Weinberghäuschen, Ruhebänken, Hinweisschildern und Wegweisern sowie an, auf und vor Mauern.

Geeignete Flächen sind beispielsweise am Zeilenende vorhanden. Spitzzeilen mit nur wenigen Rebstöcken sind heute wirtschaftlich unrentabel. Dort können neue Lebensräume für eine natürliche Weinbergflora entstehen. Ökologisch besonders wertvoll ist der Übergangsbereich zwischen Weinberg und Wald, da diese Säume aufgrund der trockenwarmen Bedingungen für viele Pflanzen und Tiere Rückzugsgebiete sind. Die Begrünung zwischen den Zeilen und im Unterstockbereich sollte kein Rasen sein, sondern vielmehr eine blühende, artenreiche Pflanzenwelt mit weinbergtypischen Kräutern, Blumen und Gräsern.