Naturparcours

Station 6: Felswand

Die Felswand befindet sich unmittelbar hinter dem Akademie-Info-Center und dem Lehrgarten in Bietigheim-Bissingen und besteht aus Muschelkalk. Dieser ist rund 235 Millionen Jahre alt. Mit dem ehemaligen Steinbruch wurde der Enzprallhang einst erweitert.

Lebensraumtyp

Aufgelassene Abbaubereiche ehemaliger Steinbrüche mit einer naturnahen Entwicklung gehören zum geschützten FFH-Lebensraumtyp „Kalkfelsen und Felsspaltenvegetation“ (FFH = Fauna-Flora-Habitat).

Bedeutung

Felsen weisen aufgrund ihrer starken Temperaturschwankungen, der Wasser- und Nährstoffarmut sowie der fehlenden oder dünnen Bodenauflage extreme Lebensbedingungen auf. Die daran angepasste Pflanzen- und Tierwelt ist durch viele seltene Arten gekennzeichnet und deshalb schützenswert.

Fauna

Einige seltene Vogelarten, darunter der Mauersegler, nutzen die Ritzen und Spalten dieser Muschelkalkwand als Brutplätze. Die Felsen dienen aber vor allem auch kleinen Tieren wie Spinnen, Schnecken und verschiedenen Insektenarten als Lebensraum, Jagd- und Nahrungsrevier. So besuchen etwa Hummeln und verschiedene Wildbienenarten die Vegetation der Felsen. Auch Fledermäuse gehören zu den Tieren, die an den Felsen in Spalten, Hohlräumen oder Höhlen leben.

Zu dem von der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg und der Stadt Bietigheim-Bissigen zur Landesgartenschau 1989 angelegten Modelllehrgarten gehören deshalb auch Fledermauskästen und ein Fledermausstollen, der sich in der steilen Muschelkalkfelswand befindet. Während des Zweiten Weltkrieges wurden Stollen im Inneren der Muschelkalkfelsen als Schutzbunker genutzt. Heute sind sie für Fledermäuse zugänglich und bieten ihnen einen geschützten Lebensraum. Darüber hinaus sind die Felsformationen einer der wichtigsten Standorte für den Mauersegler (Apus apus).

Flora

Zu den für Felswände charakteristischen Pflanzenarten gehören vor allem Farne, Flechten, Moose, Gräser und Kräuter. Moose und Flechten besiedeln kompakte Felspartien, während die eigentlichen Felspflanzen in Spalten und Löchern der Felswände wachsen. Denn hier kann sich genügend Wasser und Erde ansammeln.

Um mit den extremen Lebensbedingungen am Fels zurechtzukommen, haben viele Pflanzen besondere Überlebensstrategie, wie gedrungener Wuchs oder lange Wurzeln entwickelt. Beispiele für Felspflanzen sind: Zerbrechlicher Blasenfarn, Immergrünes Felsenblümchen, Niedriges Habichtskraut, Mauerraute, Bergsteinkraut, Felsen-Hungerblümchen oder Kugelschötchen.

Hätten Sie es gewusst?

Das Naturschutzgesetz von Baden-Württemberg erklärt alle Felsen generell zu „besonders geschützten Biotopen“. Dies begründet sich unter anderem aus der Tatsache, dass viele Vertreter der Felspflanzen und Felsentiere in den „Roten Listen“ der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten geführt sind. Felsen und die dort vorhandenen Lebensgemeinschaften brauchen deshalb Schutz!

Wo ist die Station?

Wobachstraße
74321 Bietigheim-Bissingen
Koordinaten: 48.951529, 9.130872