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angle-left 29.04.2019: Der Startschuss für die Naturerlebniswoche ist gefallen

Pressemitteilung

29.04.2019

Der Startschuss für die Naturerlebniswoche ist gefallen

Stuttgart/Cleebronn – Störche fliegen über die Köpfe der kleinen Gruppe hinweg. Im Hintergrund ist der Erlebnispark Tripsdrill mit der markanten Holzachterbahn gut zu sehen. Oben auf dem Michaelsberg steht die Kapelle, in der sich Paare gerne trauen lassen. Und in den Weinbergen gibt es unendlich viel zu entdecken. Nur das Wetter spielte nicht so recht mit.

Treffpunkt am Steinbruch Näser, der eigentlich eine Mergelgrube ist. Bis in neun Meter Höhe können hier millionenalte, bunte Erdschichten gelesen werden. „Hier holten und holen die Wengerter Mergel zum Düngen der Rebstöcke“, erzählt die zertifizierte Naturparkführerin Ilse Schopper. Wer das über Jahre hinweg und einseitig machte, laugte allerdings den Boden aus. Daher stammt auch der Begriff „ausgemergelt“ und das Sprichwort „Des Vaters Brot, des Sohnes Tod.“

Über 250 Veranstaltungen und Aktionen zur Naturerlebniswoche

„Mit über 250 Veranstaltungen vom 5. bis zum 12. Mai über ganz in Baden-Württemberg verteilt, wollen wir Bewusstsein für die Natur schaffen, Wissen auf unterhaltsame Weise erhalten und damit die Lust wecken, sie zu bewahren“, sagt die stellvertretende Leiterin der Umweltakademie Baden-Württemberg, Dr. Karin Blessing. Bundesweit würden knapp 3000 Aktionen angeboten.

Seit über 20 Jahren setzt sich die Umweltakademie unter anderem für mehr Artenvielfalt in den bereinigten Weinbergen ein. So etwa durch Initialpflanzungen, mit denen die Eintönigkeit durchbrochen wird, sich Pflanzen wie Weinraute oder Färberkamille und Weinberglilien als Basis für reichhaltiges Insektenleben wieder ausbreiten. „Diese Biodiversität stabilisiert letztlich ein ganzes Ökosystem“, betont Blessing.

Projekt „Lebendiger Weinberg“

Das Projekt „Lebendiger Weinberg“, das im Mittelpunkt der Führung stand, wird getragen von der Akademie für Natur- und Umweltschutz Baden-Württemberg in Kooperation mit dem Weinbauverband Württemberg, der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Wein- und Obstbau Weinsberg, dem Badischen Weinbauverband, dem Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg, den Verbänden der Prädikatsweingüter aus Baden und Württemberg sowie zahlreicher Weinbaugenossenschaften und Privatweingütern.

In Baden-Württemberg werden rund 29.500 Hektar Rebfläche bewirtschaftet. „Weinberge sind uralte Bindeglieder zwischen Natur und Kultur“, sagt Blessing. Die einstige Vielfalt an Fauna und Flora ging allerdings vielerorts Mitte im Zuge von Flurbereinigungen zur Arbeitserleichterung verloren. „Das wollen wir, so gut es noch geht, reparieren“, erklärt Blessing. Möglichkeiten gebe es viele, mit denen der Tier- und Pflanzenwelt unter die Arme gegriffen und damit gleichzeitig die Attraktivität der Weinbaugebiete, die Identifikation des Konsumenten mit dem Produkt sowie der Landschaft gesteigert werden kann.

Bereits ein kleiner Haufen von Steinen am Wegrand bietet einer Vielzahl von Tieren Lebensraum. Ökologisch besonders wertvoll ist unter anderem der Übergangsbereich zwischen Weinberg und Wald, da diese Säume aufgrund der trockenwarmen Bedingungen wichtige Rückzuggebiete sind. Auch die Begrünung zwischen den Zeilen und im Unterstockbereich sollte keine einfache Begrasung, sondern eine blühende, artenreiche Pflanzenwelt mit weinbergtypischen Kräutern, Blumen und Gräsern sein.

Vielfältige Landschaft – vielfältige Tier- und Pflanzenwelt

Ilse Schopper zeigt wie viel Leben in einem Weinberg stecken kann. Nicht nur die mittlerweile selten gewordenen Weinbergschnecken sind unterwegs, auch die ungiftige Schlingnatter, die gerne mit der Kreuzotter verwechselt wird. Hirschkäfer krabbeln und es gibt Belege für die Anwesenheit von Wildkatzen. Mauereidechsen tummeln sich, der Ameisenlöwe, aus dem einmal ein Schmetterling wird, baut seine trichterförmigen Fallen. Ganz besondere Pflanzen haben sich angesiedelt. Knorpelsalat und Osterluzei, die Wucherblume und die Pfeilkresse. Auf mehr als 20 Pflanzen weist sie beim Spaziergang hin. Zu verdanken ist diese Vielfalt der weisen Voraussicht des Oberförsters Otto Linck, der ab den 1930er Jahren Pflanzen bestimmte und in seinen Garten setzte. Es war die Rettung: Aus diesem Pool konnte man sich jetzt wieder bedienen und nachsetzen. Auch die Deutsche Iris.

Am Ende der interessanten Runde um den 394 Meter hohen Michaelsberg mit seinen 60 Hektar Rebfläche stand eine kleine Weinverkostung. Ausgeschenkt wurden ein Schillerwein „Chatoyant“, ein Grauburgunder, ein feinherber Samtrot sowie ein Lemberger-Cabernet. Eine abwechslungsreiche Landschaft kann auch so lecker sein.

Info: Das komplette Programm der Naturerlebniswoche vom 5. bis zum 12. Mai kann im Internet auch regionalisiert unter bw.naturerlebniswoche.info abgerufen werden. Auf einer interaktiven Landkarte finden Teilnehmer Aktionen auch ganz in der Nähe ihres Wohnorts.

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